Saison 2015: ?

Opernbühne e.V. Bad Aibling / Maxlrain

Bildergalerie – Turandot

Turandot (Ferruccio Busoni)
Oper in drei Akten nach Märchen von Carlo Gozzi
Uraufführung: 25. April 1926 an der Mailänder Scala

Fotos: Wolfgang von Hörsten


Applaus, Applaus für Turandot in Maxlrain

Nach der Premiere und 4 vollständig ausverkauften Vorstellungen ist die Aufführung von Busonis Oper Turandot in der Reithalle von Maxlrain zu Ende gegangen. Zuschauer, Solisten, Chor und Orchester sowie die Mitglieder der Opernbühne waren sich einig: Das war die beste Opernaufführung, die bislang in Maxlrain zu sehen war. Musik, Inszenierung, Kostüme, Bühnenbild und die künstlerische Darbietung durch Solisten, Chor und Orchester waren bestens aufeinander abgestimmt und machten die relativ unbekannte Oper Turandot von Busoni zu einem wahren Hör- und Sehgenuß.

Dank an alle Beteiligten, insbesondere James Barnes und seiner Frau Margret Kahnt-Barnes, Richard van Schoor und Julia Dippel sowie an alle, die mit viel Engagement und Können zu diesem besonderen Erlebnis beigetragen haben.


Geschichten hinter der Bühne

Solisten einquartieren:

Bei der Opernbühne Bad Aibling ist es seit Anfang an üblich, Solisten, die nicht aus dem Umkreis kommen, bei den Mitgliedern unterzubringen. Dabei handelt es sich in der Regel v.a. um die letzten 2 Wochen und tageweise zu den Proben. Doch bei Turandot hat sich einer der Hauptdarsteller gleich mit Frau für 6 Wochen bei einem gastfreundlichen Mitglied einquartiert. Das stellt natürlich ganz besondere Herausforderungen dar: Nicht nur das Haus wird geteilt, nein es wird gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen, zu den Proben und Aufführungen gefahren. Reibereien bleiben über eine so lange Zeit natürlich nicht aus. Unterschiedliche Kulturkreise, Verhaltensweisen, Gepflogenheiten und Charaktere prallen aufeinander.

In einem anderen gastfreundlichen Haus steht zur großen Freude des Solisten ein Klavier. Und er erpuppt sich als ausdauernd und spielfreudig. Das geht so lange bis die Hausherrin darum bittet, doch auch mal Ruhe haben zu wollen. Seitdem ist Ruhe und das Klavier bleibt stumm.

Kostüme beschaffen:

Bei der Auswahl der Oper waren wir Mitglieder uns sofort einig: Bei diesem chinesischen Märchen brauchen wir passende Kostüme. Aber natürlich nicht irgendwelche. In den Köpfen hatten sich Bilder von Turandot-Aufführungen festgesetzt mit opulenten Kostümen, aufwändigstem Kopfschmuck und anderen Accessoires. Die Kostümverantwortlichen sehen das als Herausforderung und klappern die Bühnen in Innsbruck, Salzburg, Wien und München ab. Leider sind aber mittlerweile moderne Aufführungen und dementsprechende Kostüme üblich, so dass die Anfragen erfolglos bleiben. Schließlich landen sie beim Kostümverleih in München. Verschiedene Kleider und Stilrichtungen kommen in die Wahl. Nur: Nicht immer passen diese. Einmal ist der Mantel zu eng, einmal verschwindet der kleine Solist darin, das andere Mal harmonieren die Farben nicht. Doch Kreativität schafft Abhilfe für diese Probleme: Kostüme werden unter den Solisten getauscht, der Mantel bleibt offen und durch einen neutralen Anzug von einem Bekannten ergänzt. All das erfordert mehrere Fahrten nach München, Telefonate, Anproben und immer wieder Sicherheitsnadeln und das Geschick von Nähkundigen.


Presseberichte


Bildergalerie – Turandot (Proben)

Turandot (Ferruccio Busoni)
Oper in drei Akten nach Märchen von Carlo Gozzi
Uraufführung: 25. April 1926 an der Mailänder Scala

Fotos: Robert James Perkins


Vorbereitungen für Turandot laufen auf Hochtouren

Jeder der hoch motivierten Mitarbeiter der Opernbühne Bad Aibling weiß aus langer Erfahrung: Die letzten 2 Wochen vor den Aufführungen sind Stress pur. Chor und Orchester entsprechen noch nicht den Vorstellungen des Dirigenten. Die Kostüme sind zwar ausgesucht und anprobiert, aber dort zwickt es, dort fehlt ein Assessoir. Das Bühnenbild ist weitgehend fertig, an der Beleuchtung wird gearbeitet.

All das führt wieder zu Sonderschichten bei den Chorproben und zusätzlichen Kostüm- und Bühnenarbeiten. Manches Nervenkostüm zeigt sich angespannt. Am ehesten gelassen bleiben die Erfahrensten. Sie wissen, am Schluß klappt dann doch alles. Und im Moment des Schlußapplauses bei der ersten Aufführung sind alle Mühen und Sonderschichten vergessen.

Turandot - Probe

Turandot Proben

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Inhalt

Kalf, Prinz eines Reiches, das von Feinden erobert wurde, trifft in der Stadt Peing auf seinen verloren geglaubten Getreuen Barak. In Peking will sich der junge Prinz das Glück bei Hofe suche, doch der ist, so warnt Barak, eine “Trauerstatt”. Die Prinzessin Turandot läßt alle Prinzen, die um sie anhalten, köpfen, wenn sie nicht in der Lage sind, ihre drei Rätsel zu lösen. Und kaum hat Barak das, was sich ohnehin schon in der Welt herumsprach, erzählt, wird auch schon der letzte erfolglose Prinz, der von Samarkand, geköpft. Die schmerzerfüllte Königinmutter von Samarkand verflucht den Ort und wirft das Bildnis der todbringebden Turandot in den Staub. Barak warnt, aber Kalaf hebt das gefährliche Bildchen auf, singt von Liebe, will das Spiel wagen. Kalaf eilt in den Palast, an dessen Toren die Köpfe der vorangegangenen Freier aufgesteckt sind.

Truffaldino, Haupt der Eunuchen, richtet den Thronsaal für die nächste Prüfung her und singt ein Lob auf das Eunuchendasein, das frei ist von solchen Gefahren, denen sich die verliebten Prinzen aussetzen. Für Truffaldino sind die Prinzen, die ohne Frau nicht sein können, Schwächlinge. Zwar ist das Zeremoniell “immer erhebend”, wenn nur der unvermeidliche, blutige Ausgang nicht wäre. Aber Kaiser Altoum hat dem Konfutse geschworen, die Tochter gewähren zu lassen. Man glaubt, dass Kalaf ein Prinz ist, obwohl er seine Herkunft nicht verraten will. Der Kaiser, seine Minister, Panatloe und Tartaglia warnen. Der Prinz lässt sich indessen nicht einschüchtern: “Tod oder Turandot”. Der neue Prinz ist, so scheint es der Prinzessin, diesmal anders. Adelma, ihre vertraute Sklavin, kennt den Jüngling. Kalaf, obwohl beim dritten Rätsel von der Schönheit Turandots geblendet, weiss alle Antworten: Der menschliche Verstand, die Sitte, die Kunst. Die Doktoren nicken. Turandot, besiegt, will sich töten. Kalaf bietet ihr eine Lösung. Sie soll Raten: “Wer ist der fremde Prinz?”.

Hinter dem geschlossenenen Vorhang erklingen die Gesänge der Mädchen aus Turandots Frauengemach. Sie besingen ihre Lieben. Turandot hat eine ungewohnte Anwandlung. Zwar liebt sie den Prinzen, doch der Stolz befiehlt: “Turandot sterbe unberührt”. Truffaldnio wird ausgeschickt, den Prinzen zu erforschen. Zufällig erfährt er in einem Brief den Namen des Pinzen, den die eigensinnige Tochter nicht kennt, verrät ihn aber nicht. Auch auf das klagende Zureden des Kaisers hin will Turandot nicht aufgeben. Adelma verrät schließlich Turandot den Namen.

Der Trauermarsch, kündet er Kalafs oder Turandots Niederlage’ “Kalaf, Sohn des Timur, Du bist entlassen”. Die Prinzessin hat gesprochen. Kalf will gehen, um anderswo den Tod zu suchen. Turandot ruft ihn zurück und bekennt sich zu ihrer Liebe.


Komponist Ferruccio Busoni

Allein der Name Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto Busoni lässt Erstaunliches vermuten. Der 1866 bei Florenz geborene Komponist hat sich wie alle außerordentlichen Musiker für weit mehr als nur das Klavierspiel oder das Komponieren interessiert. Er schrieb einige berühmte Aufsätze, nicht nur über Musik, sondern auch über Architektur und Literatur, sowie Libretti, darunter das für seine Oper Turandot. Busoni genoss als Pianist internationalen Ruhm und entsprach mit seinem Aussehen und seiner Art des Auftretens einigen Klischees, die man von Pianisten wie Paderewski oder Liszt schon kannte.

Allerdings interessierte er sich nie für die Popularität an sich und konnte so die Massen nicht wirklich befriedigen. Er hatte eine starke intellektuelle Ader und war in vieler Hinsiche ein musikalischer Geist, in dem sich unterschiedliche Bewegungen und Strömungen vereinen und miteinander verschmelzen konnten. Sein musikalischer Stil ist nicht an eine Gegend, ein Land, eine Epoche oder an seine Herkunft gebunden. Er erhob keinen Anspruch, eine neue Sprache zu erfinden wie die der Zwölfton-Musik, noch sich in schwelgerischen Emotionalitäten oder grandiosen Gesten zu verlieren. Seine Musik ist essenziell, integer, eigen und wahrscheinlich gerade deswegen heute noch so faszinierend, modern, aktuell. Als Asylant musste er sich während des Ersten Weltkrieges in Zürich aufhalten. Er lebte und lehrte auch viele Jahre in Berlin, wo er 1924 mit 58 Jahren verstarb.

Für mich persönlich ist es Busonis Turandot, die Puccinis Oper als Meisterwerk bescheiden überragt. Verglichen mit Puccini, der sich viele Freiheiten mit der literarischen Vorlage erlaubte, hält sich Busoni viel mehr an Carlo Gozzis Schauspiel, und er tappt auch nicht in die Versuchung, die Geschichte mittels überschwänglichen, orientalisch-klischeehaften Klangwelten zu kommentieren. Die Handlung bleibt klar, die klangmalerische Musik geschmackvoll dezent, trotzdem exotisch aber mit kühnem Blick. Obwohl Busonis Turandot neun Jahre früher erschien als Puccinis Oper, ist es wahrscheinlich gerade die Opulenz von Puccinis Werk, die unglücklicherweise die Oper von Busoni fast in Vergessenheit geraten ließ. Hier in Maxlrain gibt es jetzt eine Chance, dieses wunderbare, ironische, humorvolle aber auch traurige Meisterwerk zu erleben.

Richard van Schoor